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Folgende Rezension stammt von Ali Mete, www.igmg.de Islamische Gemeinschaft Mili Görüs Deutschland die ich online gefunden habe. Mit Erlaubnis des Autors der Rezension stelle ich diese nun zur Verfügung im Sinne einer unabhängigen Meinung zum Buch.
Bilderverbot ist Polytheismusverbot
Ein Artikel über das sogenannte Bilderverbot im Islam beginnt üblicherweise mit dem Hinweis auf die Karikaturen des Gesandten Gottes Muhammad (saw), die in einer dänischen Zeitung abgedruckt wurden und infolgedessen es zu einer Diskussion um die Meinungs- bzw. Pressefreiheit kam.

Dass einige Muslime ihre Empörung auch mit einem vermeintlichen Bilderverbot begründeten, dürfte hierbei einer der Gründe sein, weshalb in Europa ein Interesse an der Thematik des Bilderverbotes aufkam, obwohl diese Diskussion beispielsweise im Christentum schon seit der Reformationszeit nicht mehr geführt wurde. Jedenfalls scheint bei der Diskussion die Tatsache aus den Augen verloren gegangen zu sein, dass es nicht um die gedruckten Bilder an sich, sondern um das Bild des Propheten geht, dass diese Künstler und Karikaturisten im Kopf haben. So haben andere Muslime nicht auf das islamische Verbot, den Propheten abzubilden verwiesen, dass ja für einen Nichtmuslim keine Bedeutung hat, sondern auf die Grenze der Freiheit, die dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt.
Infolge dieser Diskussionen wurden einige Aufsätze und Bücher verfasst, in denen es jedoch mehr darum geht, vermeintliche Widersprüchlichkeiten „des“ islamischen Bilderverbotes aufzuzeigen, anstatt die Grundlagen und den „Geist“ darzustellen. Das Buch „Islamisches Bilderverbot vom Mittel- bis ins Digitalzeitalter“ des Bosniers Almir Ibric hingegen, ist ein Werk ohne direkten Bezug auf diese Diskussionen. Ibric versucht vielmehr den Ursprungskontext und den Hintergrund des sogenannten Bilderverbotes im Islam, kurz, die Philosophie des Bilderverbotes, zu erklären.

Der Autor geht von der Annahme aus, dass es sich beim islamischen Bilderverbot um kein allgemeines Verbot von Bildern, sondern vielmehr um ein Polytheismusverbot, handelt: „Alles, was zu Anbetungszwecken dienst, ist verboten, wobei die Anbetungsformen unterschiedlich sind und von einer primitiven Anbetungspraktik zu einer Gottheit bis zur „Anbetung“ im Sinne der materialistischen Lebenseinstellung verstanden werden kann. Nicht nur die Abbilder Gottes, sondern auch literarisch-philosophische Gotteserklärungen, und daraus entstandene Inspirationen für einen Künstler, sind als verboten zu deuten. (…) Das Bilderverbot ist aber kein Kunstverbot, solange die Kunst, die dargestellt wird, im Rahmen der durch die Offenbarung geschaffenen Ordnung bleibt.“ (S. 64)
Die Diskussion um die Bilder ist demzufolge keine historisch bedingte Frage, die in die Entstehungszeit des Islams einzugrenzen ist, wie beispielsweise Ahmad Mohammad Issa (S. 63) behauptet. Die Frage nach dem Sinn und Umfang des Bildes im Allgemeinen stellt sich immer wieder neu, insbesondere in unserer Zeit, in der die Macht der Bilder stärker kontrolliert und bewusster eingesetzt wird, als je zuvor. Dass dies so ist, zeigt der Autor auch im Kapitel „Moderne Medien“ und das Bilderverbot im Islam“ (S. 70-98), in dem er u. a. auf Themengebiete wie Fotografie, Film, Internet und Videospiele eingeht und betont, dass diese Themengebiete nicht ansatzweise aus islamwissenschaftlicher Sicht erarbeitet und diskutiert wurden. Beispielsweise stellt sich die Frage, wo die Grenzen der Idolatrie (Bilderverehrung) sind, wenn man bedenkt, dass sich u.a. muslimische Herrscher porträtieren und gar auf Geldscheinen und Münzen abbilden lassen, ganz zu schweigen von den übergroßen Statuen, die in vielen Ländern der muslimischen Welt zu finden sind.

Interessant ist auch die Darstellung der Ornamentik, die sich aufgrund der Vorbehalte gegenüber der Malerei entwickelte: „Sie beinhaltet die Geometrie als Grundlage und spiegelt die eigentliche islamische Philosophie wieder: die absolute Einheit und Unendlichkeit der Schöpfungsmacht Gottes. Die Proportionalität, Spiegelungen der Muster, Symmetrie und deren Wiederholbarkeit drücken diese Philosophie praktisch in Kunstform aus.“ (S. 30/31)
Nichtsdestotrotz gibt es nicht „das“ islamische Bilderverbot. Dies kann man auch daran erkennen, dass es Abbildungen aus verschiedenen Epochen der islamischen Geschichte gibt, die gar den Propheten abbilden. Daraus folgt aber nicht die Nichtbeachtung eines Verbotes, sondern die unterschiedliche Auslegung des Sinns und Umfanges des Bilderverbotes. Da es sich dabei – wie schon gesagt - um ein Polytheismusverbot handelt, herrscht Konsens darüber, dass weder Abbildungen Allahs noch irgendeine Abbildung in einer Gebetsstätte Platz haben.
Festgehalten werden kann also, dass das Buch von Almir Ibric zu empfehlen ist, da es sich hauptsächlich auf die philosophische Darstellung des Bilderverbotes – auch wenn an einigen Stellen sprachlich unverständlich – konzentriert und eine Einsicht der innerislamischen Logik zu geben versucht.
---Rezensionsende---
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